Natalfeige, Luftwurzeln / Natal fig, aerial roots; Quelle / Source: JMK, CC BY-SA 3.0
Rindenstoff-Herstellung / Bark cloth production; Quelle / Source: Kunstmuseum Hamburg

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Rindenstoff (kiyombo)

In manchen Regionen, etwa in Süd- und Ostafrika, war die Webtradition weniger stark entwickelt, vielerorts war sie nicht vorhanden. Hier wurden vor allem Leder und Rindenstoffe verwendet.

Rindenstoff ist in Afrika, aber auch in vielen anderen Teilen der Welt zu finden, so z.B. in Kanada, Ozeanien und Südamerika. In Afrika wird die Rinde des ostafrikanischen Feigenbaums (Ficus natalensis, Natalfeige) genutzt, der von nordöstlichen Südafrika bis Uganda und Kenia verbreitet ist.

Die Rinde des Baums erneuert sich permanent und wird jährlich gewonnen, ohne den Baum zu beschädigen. Bis zu 40 Jahre lang kann ein solcher "Mutuba" Rinde als Rohstoff liefern.

Nur aus Feigenbäumen mit geringen Verästelungen lässt sich homogenes Rindentuch herstellen. Nach dem Abschälen der Rinde wird der Baum bis zur Krone in Bananenblätter eingewickelt, um eine Austrocknung zu verhindern. Die Rinde wächst binnen eines Jahres nach. Sie wird durch Schlagen mit Rundhölzern bearbeitet. Die Rindenstücke werden bis zu fünfmal nacheinander geschlagen, in heißem Wasser eingeweicht, getrocknet und erneut geschlagen. Durch den sich wiederholenden Prozess entsteht ein Tuch, das dabei immer größer, weicher und dünner wird.

Rindentuch aus Uganda gilt als ältestes Textil der Menschheitsgeschichte, die handwerkliche Herstellung dieses Gewebes wurde 2008 in die Liste der Kulturgüter des immateriellen Welterbes aufgenommen.

Durch die arabische und später britische Kolonisation bzw. durch den Import von indischer Baumwolle wurde der Rindenstoff in den Hintergrund gedrängt. Bereits bei der Ankunft der Ottilianer Missionare in Ostafrika war die Rindenstoff-Herstellung fast verschwunden. Aus dem Stoff wurden nur noch Transportsäcke hergestellt. Seit dem späten 19. Jahrhundert wurden maschinengewebte kangas populär, Baumwolltücher mit kräftigen Farben und Motiven.