Museum und Missionare. Ein persönlicher Blick auf die Sammlungsgeschichte

Vergangenheit und Gegenwart des Missionsmuseums sind eng verknüpft mit dem persönlichen Engagement etlicher Missionsbenediktiner. Sie haben den Aufbau der Sammlung initiiert, nach und nach erweitert sowie bis heute gepflegt.

Drei von diesen Missionsbenediktinern aus der Anfangszeit des Museums will Ihnen der neue Newsletter vorstellen.

Als erste Persönlichkeit ist zweifelsohne Norbert Weber (1870-1956) zu nennen. Der erste Erzabtei St. Ottiliens gab der Sammlung eine feste Heimat im Klosterareal: 1911 konnte das Museum in den gerade fertiggestellten Neubau des Klosters in unmittelbarer Nachbarschaft der Klosterkirche einziehen – und wird dort auch in Zukunft verbleiben. Überdies erweiterte Erzabt Norbert die lange Zeit nur als »Afrika-Museum“ bekannten Bestände. Das Museum erhielt in den 1920er Jahren eine eigene Korea-Abteilung. Auf seinen Korea-Aufenthalten kaufte Norbert Weber mit Hilfe seines »Kunstagenten“ (P.) Andre Eckardt Kunst- und Alltagsgegenstände einer untergehenden koreanischen Kultur für sein Museum in der Heimat.

Erzabt Norbert Weber nach seiner Wahl zum Abt.
Norbert Weber bei Filmaufnahmen in Korea.
P. Dr. Meinulf Küsters OSB

Die Leidenschaft zur Dokumentation von Land und Leuten auf Film und Foto verband ihn mit seinem Mitbruder P. Dr. Meinulf Küsters (1890-1947). Küsters beschäftigte sich jedoch ausschließlich mit den afrikanischen Missionsgebieten. Er arbeitete als Missionar in Inkamana, Lindi und Peramiho und studierte die dortigen Ethnien sowie deren Kultur und Alltag.

Als das Missionsmuseum in St. Ottilien 1922 für das allgemeine Publikum geöffnet wurde, erhielten einige Objekte knappe Beschriftungen – Teile davon haben sich bis in unsere Tage erhalten. Die Einrichtung der Afrika-Abteilung hatte Küsters übernommen, schließlich war er nicht nur Theologie, sondern auch studierter Ethnologe, der zwischen 1928 und 1932 auch am Münchner Völkerkundemuseum für die afrikanische Sektion verantwortlich zeichnete.

 

Ein dritter Missionar, der auf ganz anderem Gebiet die Bestände des Missionsmuseums erweiterte, war Fr. (P.) Kilian Rüth (1857-1932). Das alte Inventarbuch des Museums vermerkt bei rund 50 Vogelpräparaten Kilian Rüth als "zuständigen" Jäger. Rüth, der zwischen 1901 in und 1918 als Missionar in Tanganjika (Tansania) lebte, jagte 1912/13 in Madibira im westlichen Teil von Tansania nachweislich etwa 30 Vögel für die heimische Tiersammlung -diese und viele andere werden Sie auch zukünftig in den alten und neuen großen Vogelvitrinen besichtigen können.

Fr. Kilian Rüth und ein Nachtreiher aus der Vogelsammlung

So gibt es zahlreiche Missionare und Ordensangehörige, die das Missionsmuseum über die Jahrzehnte geprägt haben. Nach der Wiedereröffnung werden Sie diesen drei Personen in der neuen Dauerausstellung wieder begegnen und auch so manch anderem interessanten Missionsbenediktiner!