"... DEN OBJEKTEN LEBEN EINHAUCHEN..."

 

Das Museumsteam fahndet schon seit längerem intensiv nach Geschichte, Bestimmung und anderen Hintergründen der Objekte, die zukünftig ausgestellt werden sollen. Die Recherche gleicht in vielen Fällen einer Suche nach der be­rühmten »Stecknadel im Heuhaufen“, da man in der Anfangszeit des Museums diese Informationen als wenig interessant angesehen hat. Und trotzdem findet sich in dem alten Inventarbuch manch kurioser Eintrag, der jetzt für die Nach­welt in der Datenbank festgehalten werden kann.

 

So kam der Vogel Strauß nur durch einen Zufall nach St. Ottilien. Der Laufvogel sollte 1910 in Bremerhaven lebend nach Nordamerika verladen werden. »Die Arbeiter ließen jedoch die Kiste vom Eisenbahnwagen herunterfallen, wobei dem Strauß das Rückgrat brach und er tot war“, so das alte Inventar. Das Schick­sal wollte es, dass ein Tierpräparator den Strauß erwarb und nach St. Ottilien schenkte.

 

Die überwiegende Zahl der Tierpräparate erlegten indes Missionare in Tansania und Südafrika und schickten sie als Anschauungsmaterial in die Heimat. Alle werden in der neuen Dauerausstellung wieder im großen Tier­diorama vor gereinigter und aufgefrischter afrikanischer Kulisse zu sehen sein. Mindestens 30 Vögel und zehn Säugetiere sind beispielsweise mit Fr. Kilian Rüth (1857-1932) in Verbindung zu bringen, darunter auch das Warzenschwein und die Leierantilope. Fr. Kilian war von 1901 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Missionar in Tansania, zunächst in Peramiho, dann in Madibira. Während des Krieges diente er als Unteroffizier.

 

Erst Ende des 20. Jahrhunderts kam dagegen die Puffotter in das Museum nach St. Ottilien: Br. Almerich – heute empfängt er Gäste der Erzabtei an der Pforte – kostete diese Giftschlange auf einer Farm in Twasana/Südafrika fast das Leben: »Schlangen gibt es dort viele. Von den Frühlings– bis in die Herbsttage begegnet man als Farmer häufig diesen Tieren. In der Regel sind sie nicht angriffslustig. Gefährlich wird es, wenn man aus Versehen auf eine tritt oder bei Arbeiten mit der Hand ein Tier zu fassen bekommt.“ Bei eben diesen Farmarbeiten »wäre ich fast auf die Puffotter, die im Museum ausgestellt ist, getreten, und vielleicht zehn Zentimeter fehlten und ich hätte die Schlange in der Hand gehabt. Was dann passiert wäre, kann man sich ausdenken! Eine Puff­otter hat so viel Gift, dass sie vier Menschen töten kann!! Meine Zeit war damals noch nicht um. Ich erschrak und das Tier bewegte sich etwas weg. Ich konnte die Schlange mit einem Stecken erschlagen. Ich traf sie mit dem ersten Schlag so auf den Kopf, dass sie sonst unverletzt blieb. Meine Arbei­ter nahmen sie aus und trockneten die Haut. Ich schickte sie an P. Arnold und dieser besorgte das Übrige. Und da ist sie nun in unserem Museum zu sehen.“

 

So gibt es manche Episode, die sich um unsere Objekte ranken und diese zu einzigartigen, interessanten Ausstellungsstücken machen.