Missionsmuseum im „Workflow“

Arbeit und alles im Fluss

»Workflow“ - das »neudeutsche“ Wort habe ich bei unserer Gestalterfirma gelernt. Auch wenn ich kein Fan des »Denglisch“ bin: es gefällt mir. Es bringt genau auf den Punkt, wie es gerade mit unserem Museum steht: Arbeit und »alles im Fluss“. Viel Arbeit ist geschehen, der Umbau und die bauliche Sanierung konnten letztes Jahr abgeschlossen werden, die Inventarisierung ist fast komplett und alle Kostbarkeiten sind gut verstaut, überwiegend in einem neuen Depot. Gleichzeitig ist zwar nicht alles, aber vieles im Fluss: Gestaltungsideen werden ausgedacht, verfeinert, mal auch verworfen. Im Folgenden möchte ich von diesem spannenden Geschehen berichten. (P. Theophil Gaus, Museumsdirektor)

 

Altbausanierung vom Feinsten

Vor der Waffenkammer

Alte Bauten haben es in sich – im wahrsten Sinn des Wortes. In den Wänden befindet sich alte Elektrik. Wir mussten sie so gut wie komplett erneuern. Aber nicht nur das: Hinter dem Putz oder gar tiefer im Mauerwerk verbergen sich Leitungen – wassergefüllt. Diese kann man anbohren, wie gleich dreimal während der Umbauten geschehen, unfreiwillig natürlich. Und so ist ein Umbau im Altbau mal spannend, mal regelrecht schikanös, aber immer auch eine interessante Herausforderung: Wie kann die Attraktivität des Alten so erneuert werden, dass sie den heutigen Bedürfnissen entspricht?

Barrierefreiheit und Brandschutz

Aufzug für Barrierefreiheit

Das sind zwei solcher Bedürfnisse. Sie sind selbstverständlich geworden - und teuer. Beide Themen haben wir inzwischen auf heutiges Niveau gebracht. Ein Aufzug, für den wegen der Statik eigens ein Spezialtiefbau anrücken musste, verbindet die 3 Ebenen des Museums. Weniger auffällig ist der Brandschutz. Will man nicht eine plötzliche Schließung riskieren, muss in einem öffentlichen Gebäude den teuren Auflagen hierzulande zu hundert Prozent entsprochen werden. Unübersehbar sind leider die aufdringlich grün strahlenden Fluchtweg-Leuchten, die unser Museum auch nachts in geisterhaftes Licht tauchen.

Den alten Charme bewahren

Alter Charme - Diorama

»Ein Museum im Museum“, »so etwas gibt es heute gar nicht mehr.“ Solche immer wieder von Besuchern gehörten Aussagen haben uns bewusst gemacht, dass wir bei der Erneuerung unseres Schatzes behutsam vorgehen müssen. »Eine Renovation, die den alten Charakter belässt“, so hat es in der Startphase des Projekts die damals einberufene »Museumskommission“ des Klosters formuliert. Konkret zeigt sich dies, wenn unsere alt-ehrwürdigen Vitrinen, zum Teil vor bald 100 Jahren in der Klosterschreinerei gefertigt, eben dort »ertüchtigt“ werden, um ihren Platz im Museum wieder zu bekommen. Ebenso haben wir uns entschieden, die berühmten Tierdioramen zwar neu einzurichten, aber deren Inventar so ähnlich wie früher zu zeigen, genauso wie die anderen Objekte aus der Zoologie. Unser Museum beherbergt ein typisches »Naturalienkabinett“, meinte ein befreundeter Zoologe. Ebenso charmant sind alte ethnologische Kollektionen, Sammlungen in der Sammlung sozusagen, wie das von Bruder Baptist Krimbacher (1876-1956) zusammengetragene Material der Gogo, eines Stammes in Südtanzania.

Neue Besucher – neues Angebot

Warten auf den Einzug ins Diorama

Und doch ist Erneuerung nicht nur fällig, um das alte Inventar zu retten, was vor allem anderen eine Frage der verbesserten Klimatik ist, welche aufwändig optimiert wurde. Heutige Besucher haben andere Voraussetzungen wie vor hundert Jahren in der Gründungszeit des Museums, bzw.: sie haben viele Voraussetzungen nicht mehr. Leute, die Anfang des letzten Jahrhunderts das Missionsmuseum des Benediktinerklosters besuchten, hatten nicht nur eine Vorstellung davon, was ein Museum ist, sondern auch die Begriffe »Kloster“, Benediktiner“ und vor allem »Mission“ hatten einen deutlichen Inhalt, den man voraussetzen konnte. Heute kommen viele ins Kloster und auch in unser Museum wie in eine fremde Welt. Es ist schwierig, solche Besucher auf wenigen Quadratmetern »da abzuholen, wo sie sind“, zumal gerade der Missionsbegriff selbst noch einmal stark im Wandel ist und viele Facetten hat. Und so ist es eine ganz spezielle Herausforderung, wenn wir versuchen, in unserem neuen Museum gleichzeitig die alten ethnologischen und zoologischen Sammlungen zu präsentieren und etwas von »Mission“ zu vermitteln, nicht nur geschichtlich, sondern bis in die Jetztzeit hinein.

Hinter den Kulissen

Hinter den Kulissen ist wiederum alles im »Workflow“. Viele arbeiten emsig und ihre Arbeiten fließen zusammen, nicht nur das »Sanierungsteam“ (Abt Jeremias, P. Theophil, Fr. Dr. Schuster), sondern auch Mitbrüder, Angestellte, und last but not least und unersetzbar viele  Ehrenamtliche, die sich um wissenschaftliche Aufarbeitung, Depotbetreuung und Datenbank kümmern. Ihnen sei an dieser Stelle besonders gedankt. Ebenso jedoch den Spendern, ohne deren Unterstützung das Projekt nicht möglich wäre!