Unser Leitbild

Die Erzabtei St. Ottilien ist das älteste katholische Missionshaus Deutschlands. Seit 1887 wurden von den Missionsbenediktinern Gegenstände aus dem Umfeld der Missionsgebiete erworben, um eine Sammlung aufzubauen, die im Mutterhaus der Orientierung zukünftiger Missionare diente. Das 1896 gegründete Museum wurde 1911 in den heutigen historischen Räumlichkeiten eingerichtet und in den frühen 1920er Jahren der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Bis in die 1970er Jahre hinein wurde die Sammlung ergänzt durch Zukäufe und durch kunsthandwerkliche Gegenstände, die Äbte auf ihren Reisen als Geschenke erhielten. Die Objekte unserer Sammlung verstehen wir als historisches Erbe, sie spiegeln die Geschichte der Missionsbenediktiner von St. Ottilien.

Neben ethnologischen und naturhistorischen Aspekten ist uns als Museum eines Missionshauses daher auch die Vermittlung des Lebens und der Tätigkeit der Kongregation der Missionsbenediktiner damals und heute auf den Feldern Bildung, sozialem Engagement, Gesundheitsversorgung und Pastoral wichtig.

Die Exponate der Dauerausstellung zeigen einen Querschnitt unserer Bestände. Kleine Sonderausstellungen, die auch digital veröffentlicht werden, stellen Objekte aus dem Depot vor.

Aufgaben des Museums

Missionarische Sammlungen wie die unsere unterscheiden sich in wesentlichen Punkten von ethnologischen Museen. Dennoch legen wir seit der Sanierung des Museums (2011 - 2015) an unsere Arbeit die gleichen, vom International Council of Museums (ICOM) geforderten Maßstäbe an, wie staatliche ethnologische Häuser.

Wir verstehen unsere Sammlungen als Teil des kulturellen Gedächtnisses der Menschheit, daher sind uns Erhalt und Pflege der Objekte wichtig, die wir stellvertretend für die Herkunftsgesellschaften bewahren. Unsere Sammlungen wurden digitalisiert, wissenschaftlich untersucht, inhaltlich bestimmt und einer Provenienzforschung unterzogen. Wir betreuen Doktoranden, die zu Objekten unseres Museums forschen oder Aspekte der Tätigkeit der Ottilianer Missionare untersuchen, um unsere Sammlungen weiter zu erschließen.
Als Teil eines Netzwerks deutscher und internationaler ethnologischer Museen und anderer Organisationen verleihen wir Objekte für Ausstellungen, um den Kulturaustausch weiter zu fördern.

Sichtbarmachung und Vermittlung sind wesentliche Schwerpunkte unserer Tätigkeit. Durch unser niederschwelliges Angebot möchten wir alle Altersgruppen erreichen. Wir laden mit museumspädagogischen Angeboten ein, die in den Herkunftsländern bereits ganz oder teilweise verschwundenen Kulturen kennenzulernen. Die Objekte unserer Sammlung verstehen wir dabei als "Botschafter" dieser Kulturen, die unseren Besuchern helfen, andere Lebenswelten zu verstehen und wertzuschätzen.

Provenienzforschung und Restitution

Wir sind uns der historischen Verantwortung bewusst, die mit dem gesammelten Kulturerbe einhergeht, auch im Hinblick auf die aktuell geführte Diskussion um Provenienz und Rückgaben. Wie für missionarische Sammlungen typisch, finden wir in unserer Dokumentation kaum Anhaltspunkte über den Erwerbskontext unserer Objekte. Mit dieser Leerstelle müssen wir in der heutigen Diskussion um angenommene oder wirkliche Unrechtskontexte aus kolonialer Vergangenheit umgehen.

Unser Restitutionskonzept betont unsere Bereitschaft zum Dialog und zur Zusammenarbeit mit den Herkunftsgesellschaften. Seit 15 Jahren sind wir Partner für wissenschaftlichen Austausch und Kooperationen mit Südkorea. Unsere gute und fruchtbare Zusammenarbeit drückt sich aus in mehreren Schenkungen und Rückgaben aus unserem Sammlungsbestand. Für Ost- und Südafrika gibt es bisher keine Rückgabeforderungen oder Anfragen an uns.

Das Leitungsteam des Museums arbeitet mit in Gremien der Vertretung der Ordensgemeinschaften in Deutschland zusammen, in denen es um den Erhalt missionarischer Sammlungen und um den Umgang mit kolonialem Erbe geht.

Wir stehen in engem Kontakt mit dem Deutschen Zentrum Kulturgutverluste, sind Mitglied im Arbeitskreis Proveninezforschung e.V. und sind der von der Kontaktstelle für Kulturgut aus kolonialen Kontexten eingeführten 3-Wege-Strategie verpflichtet, die langfristig die Zugänglichmachung aller Informationen aus europäischen Museen für die Herkunftsgesellschaften ermöglichen wird.

 

Immer wieder setzen wir uns mit unserem Leitbild kritisch auseinander und passen es an die aktuellen Anforderungen an uns als Leitinstitution missionarischer Sammlungen in Deutschland an.