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Kolonfiguren

Seit dem 15. Jh. sind Europäer in allen Teilen der Welt unterwegs - als Siedler, Weltreisende, Abenteurer oder Missionare. Die fremden Weißen, die nach Afrika kamen, hinterließen bei der einheimischen Bevölkerung bleibende Eindrücke. Bereits im 16. Jh. finden sich in der Kunst Benins (Westafrika) figürliche Darstellungen von Europäern.

Diese Figuren, die oft Kolonialbeamte, Angehörige des Militärs, Ärzte oder Techniker, aber auch europäisierte Afrikaner der Mittelschicht darstellen, werden als Kolonfiguren (von französ. colon = Siedler) bezeichnet.

Kolonfiguren  sind deshalb interessant, weil sie die uns gewohnte Blickrichtung umkehren – hier werden Europäer aus afrikanischer Sicht gezeigt.

Charakteristisch für die meist mit bunten Farben bemalten Holzfiguren ist, dass Europäer nicht an Gesichtszügen oder Hautfarbe zu erkennen sind, sondern an Attributen europäischer Kultur wie Tropenhelmen, Anzügen oder Uniformen, Spazierstöcken und Tabakspfeifen. Auch Körperhaltung und Gesten werden gespiegelt, Soldaten werden oft in Uniform und mit Gewehr in strammer Haltung dargestellt.

Das Genre der Kolonfiguren entstand in Westafrika im Gebiet der Baulé (Elfenbeinküste). In der Wissenschaft wird diskutiert, ob Kolonfiguren als Karikaturen und satirischer Gegenschlag der unterdrückten Bevölkerung in Kolonialgebieten zu verstehen sind oder einfach als Darstellung unbekannter Kulturen in lokalem Stil. Ebenso umstritten ist, ob die Figuren nur zur Zierde angefertigt wurden oder auch eine Rolle in rituellen Handlungen spielten.

Die Hersteller der Kolonfiguren sind meist unbekannt, einer der wenigen bekannten Künstler ist der Nigerianer Thomas Ona Odulate (ca. 1900-1950), dessen Werke in vielen US-amerikanischen und europäischen Museen zu finden sind.

Lange Zeit wurden Kolonfiguren wenig beachtet, da sie nicht als "traditionelle afrikanische Kunst" galten. Erst nach dem 2. Weltkrieg und nach der Dekolonisierung und Unabhängigkeit der Staaten erlangten sie internationale Bekanntheit. Heute werden sie erforscht und in West- und Zentralafrika in großem Stil als touristische Souvenirs angefertigt.