Elefantenkopf mit falschen Zähnen
"Ist der echt?", fragen Besucher immer wieder. "Ja, aber nur zum Teil", lautet die Antwort. Echt ist bei unserem Kopf eines Afrikanischen Elefanten nur die Haut, bzw. Haut und Haare. Bei näherem Hinsehen entdeckt man neben Härchen auch die Naht, welche die Kopfhaut vom Ende des Rüssels bis zum Hals zusammenhält.
Unter der Kopfhaut befindet sich zum Teil der Schädelknochen, zum Teil eine Gipsfüllung, was das gesamte Objekt fast einen Zentner schwer macht. Wo genau Knochen oder wo Gips unter der Haut liegt, lässt sich von außen nicht feststellen, dazu müsste man das gesamte Präparat röntgen. Sichtbar, aber nicht echt sind die Augen (Glas), die Zunge (irgendein Kunststoff) und die Stoßzähne (Holz).
Nur bei wenigen unserer Präparate haben wir Aufzeichnungen über Herkunftsort und -datum. Leider besteht auch für unseren Elefantenkopf eine Wissenslücke.
Die Provenienzforschung erbrachte lediglich die Entdeckung eines alten Glasbilddias in den Bildbeständen des Archivs. Dieses vielleicht über hundert Jahre alte Foto zeigt genau unseren Elefantenkopf, aber mit anderen Stoßzähnen! Sind die auf diesem Foto sichtbaren Stoßzähne vielleicht die echten, ursprünglichen? Wann wurden sie durch die jetzigen Holzzähne ersetzt und warum? Wo ist das Elfenbein hingelangt?
Die Stoßzähne des Afrikanischen Elefanten sind echte Alleskönner. Mit den Stoßzähnen gräbt der Elefant nach Wurzeln, Knollen und Wasser, besonders in Trockenzeiten. Sie sind wie Werkzeuge, mit denen er Rinde abschält, Äste bricht oder sogar kleinere Bäume umstößt, um an Blätter und Früchte zu kommen.
Stoßzähne dienen aber auch als Schutz vor Feinden, z. B. vor Löwen. Vor allem Bullen nutzen sie zudem bei Imponier- und Rangkämpfen, um Stärke zu zeigen. Große, kräftige Stoßzähne gelten als Zeichen von Gesundheit – das kann bei der Partnerwahl eine Rolle spielen.
Elefanten-Stoßzähne sind verlängerte Schneidezähne aus Elfenbein, die ein Leben lang weiterwachsen und leicht über zwei Zentner pro Zahn erreichen. Genau das macht Elefanten leider auch zur Zielscheibe von Wilderei – ein großes Artenschutzproblem. Entsprechend haben Museen, die Elfenbein ausstellen, ein Sicherheitsproblem. Dabei besteht Elfenbein vor allem lediglich aus Dentin, dem gleichen Material, aus dem auch unsere Zähne unter dem Zahnschmelz gebaut sind.
Das Missionsmuseum zeigt an der großen Treppe ins Untergeschoss einen weiteren Elefantenkopf, in diesem Fall den Schädel eines noch jungen Afrikanischen Elefanten - ohne Stoßzähne, versteht sich.
Dass ein Museum, in unserem Fall eine missionarische Sammlung, Elefanten zeigt, die wohl eigens geschossen wurden um ausgestellt zu werden, wirft heute natürlich Fragen auf.
Wichtig ist zu bedenken, dass alle unsere Tierpräparate weit über 100 Jahre alt sind, der Tod dieser Tiere also in eine Zeit fällt, in der sie nicht nur häufig vorkamen, sondern in der das Jagen üblich war, auch das Erlegen von Großwild und von Antilopen zum Gewinn von Trophäen und Wildbret sowie das Töten von Raubtieren zum Schutz von Mensch und Vieh. Elefanten wurden zudem bejagt, weil sie die Felder abfressen und verwüsten.