OSTAFRIKANISCHE MUSIKINSTRUMENTE

 

Die Musik Afrikas verändert sich seit jeher durch regionalen Kulturaustausch und Weiterentwicklung. Die Unterscheidung in eine mehr oder weniger historisch unverändert gebliebene "traditionelle" Musik und seit der Kolonialzeit hinzugekommene Musik ist daher nicht sinnvoll und würde auch den seit Jahrhunderten starken Einfluss der arabischen Musik vernachlässigen. 

Musikstile und Instrumente sind nicht einzelnen Ethnien, sondern Regionen zuzuordnen, die nicht durch Ländergrenzen definiert sind. 

Die im europäischen Raum gängige Einteilung in "klassische" Musik und Unterhaltungsmusik ist für Afrika so nicht anwendbar. Die Musik der Königshöfe, Musik zur Begleitung von Ritualen und Unterhaltungsmusik stehen wertfrei nebeneinander. Musik begleitet sowohl den Alltag als auch Feste und bedeutsame Ereignisse.

In afrikanischen Kulturen hat Musik in bestimmten Kontexten soziale Funktion. Sie wird beispielsweise bei der Initiation eingesetzt, um den Initianden Wissen zu vermitteln. Mythen und Legenden werden beim Vortrag von Musik begleitet, weltliche Herrscher unterstreichen ihre soziale Stellung und Autorität. Auch Totenrituale sind oft von Musik begleitet. Eine spezielle Form ist die Übermittlung von Nachrichten durch Trommeln.
Daneben dient die Musik zur Entspannung, Erholung und Unterhaltung.

Zur Musik gehört untrennbar auch der Tanz, viele Sprachen und Dialekte haben dafür nur ein einziges Wort. Die Musik zu bestimmten Anlässen ist festgelegt. Improvisationen sind nur in einem bestimmten Umfang möglich und müssen sich in Grenzen halten, damit die Sprache der Instrumente jedem verständlich bleibt. 

Da viele Sprachen auf dem afrikanischen Kontinent Tonsprachen sind (die Tonhöhe entscheidet über die Bedeutung eines Wortes), können Zuhörer auch aus instrumentalen Tonfolgen Texte heraushören. Dies gilt in besonderem Maße für die westafrikanischen "Talking Drums" (Sprechtrommeln), mit denen Wörter und sogar ganze Sätze mitgeteilt werden können. 
Die Wiederholung von Patterns (rhythmische oder melodische Figuren) ist ein wesentlicher Bestandteil afrikanischer Musik, Musiker und Zuhörer können dadurch mitunter tranceartige Zustände erreichen.

Das Spielen von Musikinstrumenten bleibt in der ostafrikanischen Musik den Männern vorbehalten. Frauen tanzen und singen zum Instrumentalspiel der Männer, Männer dagegen sind beim Tanzen, Singen und Spielen vertreten. In jüngster Zeit sind einige Frauengruppen entstanden, die Tänze oder Gesänge aufführen, die traditionell Männern vorbehalten sind. 

Musik als spirituelle Sprache 

Die traditionellen Glaubenssysteme des afrikanischen Kontinents sind häufig animistisch. Die natürliche, beseelte Welt ist eng mit der übernatürlichen Welt verbunden, und die beiden Welten kommunizieren vor allem durch Musik miteinander. 

Bedeutende Stationen des individuellen Lebens sind mit Riten verbunden, bei denen Musik eine große Rolle spielt, da Ahnen und Geister nicht die "Menschensprache", sondern nur die Sprache der Musik verstehen. Auch bei sozialen Ereignissen wie Ernte, Jagd oder Amtseinführung von geistlichen und weltlichen Machthabern werden die Wesen der übernatürlichen Welt über die Musik eingebunden. 

Die Rolle der Musik in islamischen Religionen hängt stark von der Auslegung der religiösen Texte und der kulturellen Praxis ab. Musik ist Ausdruck von Freude und kann ein Weg zur Gottesnähe sein (z. B. im Sufismus); andere Strömungen betrachten sie als Quelle der Ablenkung, wobei die persönliche Entscheidung eine große Rolle spielt.

 

In Ostafrika gebräuchliche Musikinstrumente

Manche Musikinstrumente sind für bestimmte Zwecke vorgesehen, z.B. zur Ahnenverehrung, andere dagegen – zum Beispiel bestimmte Arten von Trommeln - werden universell eingesetzt. Häufig sind Musikinstrumente als Kulturimporte erkennbar, wie die Oboe in Tansania, die aus der arabischen Musik übernommen wurde. 

Die Sonderausstellung beschränkt sich auf das für das erste Tätigkeitsfeld der Missionsbenediktiner relevante Gebiet in Osten Afrikas. Im Folgenden werden Vertreter der auch heute noch in Ostafrika und speziell in Tansania vertretenen Musikinstrumente vorgestellt. 

Nach dem Standard-Klassifikationssystem werden die Instrumente in vier Gruppen eingeteilt:

 

Chordophone (Saiteninstrumente) 

Instrumente mit einer oder mehreren Saiten, die gezupft oder mit einem Bogen zum Schwingen gebracht werden. Üblicherweise hat das Instrument einen Resonanzkörper. 

 

Pfeil runterBogenleier (litungu)

Leier mit runder Schale und Jocharmen aus Holz und Lederdecke, dunkelbraun bemalt. Die Leier wird am Boden sitzend gespielt, die Saiten werden mit dem Finger angeschlagen. Das Instrument wird ergänzt durch einen Holzstock, an dem mehrere Metallschellen befestigt sind. Das eine Ende des Stocks ist an der Leier befestigt, das andere wird vom Spieler zwischen den Zehen des rechten Fußes gehalten, den er auf dem Boden aufstampft. 

Pfeil runterBogenharfe (kinubi)

Vor allem in Ost- und Zentraltansania verbreitet. Am mit Lederdecke mit Resten von Tierfell überzogenen Holzkorpus sind Saiten befestigt, die am anderen Ende von den Wirbeln am gebogenen Hals gehalten werden. Bogenharfen haben 5-8 Saiten; das ausgestellte Instrument ist neueren Datums, da mit Metallsaiten bespannt.

Pfeil runterRöhrenspießlaute (zeze)

Das Instrument mit einer Saite wird beim Spiel senkrecht gehalten. Mit einem Bogen aus Bambus oder Holz, der mit Sisalschnur oder einer Metallsaite bespannt ist, werden die Töne erzeugt. 
Der geschwärzte Resonanzkörper ist aus weichem Holz dünnwandig geschnitzt und mit einer seitlich durch Holznägel befestigten Reptilienhaut überzogen. Auf der rechten Korpusseite befindet sich eine rechteckige Schallöffnung, der Boden ist abgesetzt. In einem Loch am hinteren Ende des durch den Resonanzkörper gesteckten Bambusstabs steckt der Zapfen, um den die Saitenschnur gewickelt ist und durch den sie durch Drehung verkürzt werden kann. Am Boden ist als Verzierung eine Blechmarke mit der Aufschrift "Bristol London" angebracht.

Pfeil runterFloßzither

Sieben nebeneinander gereihte dunkelbraun gefärbte Schilfrohrstängel von 2cm Durchmesser von denen die 5 inneren auf der Rückseite zu etwa 2/3 ausgeschnitten sind, bilden den Korpus. Durch die an beiden Enden gebohrten Löcher ist ein Stab gesteckt über den die 6 Saiten aus einer einzigen Pflanzenfaserschnur über dem Floß hin- und hergeführt verlaufen. Eine mehrfach herumgewickelte Schnur auf einem Ende des Floßes dient dazu, die Enden vor Ausreißen zu schützen. Durch Verschieben der unter den Saiten liegenden Stege kann der Ton variiert werden. Je ein dünner Bambussteg gewährleistet den Abstand der Saiten von den Stängeln, so dass sie vom Spieler mit den Fingern gezupft werden können.

Membranophone (Trommeln) 

Membranophone sind Instrumente, bei denen eine Membran dauerhaft an einem Klangkörper befestigt ist; der Ton ist perkussiv und rhythmisch. Die Trommel ist das typische Beispiel eines Membranophons. 

Trommeln werden von Männern aus einem Baumstamm geschnitzt. Das Innere wird mit einer Speerspitze, die mit den Händen wie beim Feuerreiben gezwirbelt wird, ausgehöhlt. Die Membran besteht meist aus Kuh- oder Ziegenhaut, sie wird nass aufgezogen.

Einige Trommeln wurden nur bei bestimmten Gelegenheiten wie Geburt, Hochzeit oder Tod eingesetzt und nach dem Gebrauch sorgfältig an einem bestimmten Ort, nur diesem Zweck dienend, aufbewahrt. 

Das Zusammenspiel von Musik und Tanz bei verschiedensten Ereignissen der Gemeinschaft wird in ganz Tansania als ngoma bezeichnet. Dabei kommen fast immer Trommeln zum Einsatz, die ebenfalls ngoma genannt werden. Der Bantu-Begriff ngoma für Trommel und Tanz hat darüber hinaus umfassendere Bedeutung. Die treibende Kraft des Rhythmusinstruments gibt dem Tanzenden das Gefühl besessen oder inspiriert zu sein, deshalb meint ngoma u. a. auch Geist oder Heiler.

 

Pfeil runterStandfußtrommel

Trommel mit Holzkorpus und vier Füßen, die es möglich machen, das Instrument auf die Erde zu stellen, ohne dass der Resonanzkörper gedämpft wird. Die Membran aus Rinderhaut wird durch die seitlich angebrachten Holzpflöcke gespannt gehalten. Standfußtrommeln werden meist mit Trommelschlegeln gespielt. 

Pfeil runterTrommelschlegel

Schlegel aus Holz: Trommeln werden mit der Hand oder mit einem oder zwei Holzschlegeln angeschlagen. Mit den Schlegeln kann eine größere Lautstärke erreicht werden. Manchmal werden die Schlegel am vorderen Ende mit Stoffstreifen umwickelt oder mit Naturkautschuk überzogen.

Pfeil runterSanduhrtrommel

Eine aus leichtem, hellem Holz geschnitzte Trommel mit seitlichem Henkel. Die Fellmembran ist seitlich mit Holznägeln befestigt. Der Korpus besteht aus 2 gegeneinander gerichteten Kegelstümpfen. Sie wird während des Tanzes von den Tänzer*innen mit einer Hand am Henkel gegriffen, mit der anderen geschlagen. Bei manchen Tänzen wird die Trommel auch zwischen die Beine geklemmt und mit beiden Händen geschlagen.

Pfeil runterKleine Trommel (engoma)

Diese Form ist vor allem bei der Ethnie der Wahaya (nordwestliches Tansania) verbreitet. Gedrehte Lederschnüre mit Fellresten halten die Membran gespannt. Die Schlaufe dient zum bequemen Tragen des Instruments.

Pfeil runterBechertrommel

Einseitig bespannte Trommel aus dunklem Hartholz mit langer zylindrischer Taille und hohem gewölbtem Fuß. Das Fell ist weit über den Rand des im oberen Teil schalenförmigen Korpus gezogen und ringsum mit relativ wenigen Holznägeln aufgenagelt.

Idiophone (Selbstklinger) 

Der Ton wird vom Korpus des Instruments selbst erzeugt, ohne Hilfsmittel wie Saiten oder Membranen. Idiophone werden in ungestimmte Idiophone (z. B. Holzglocke) und gestimmte Idiophone (z. B. Balaphon/Xylophon) unterschieden.

 

Pfeil runterBalaphon / Xylophon (marimba ya vibao, limba oder chondo)

Auf einer hölzernen Schale oder einem Tongefäß, das als Resonanzkörper dient, sind flache Holzstäbe in verschiedenen Tonhöhen aufgelegt. Manche Varianten (wie in der Sonderausstellung) bestehen aus einem Gestell mit aufgelegten Holzstäben, als Resonanzkörper sind Flaschenkürbisse unter dem Instrument befestigt. 
Das Xylophon wird mit hölzernen Schlegeln gespielt, deren Spitze mit Naturkautschuk umwickelt ist. Das Instrument steht auf dem Boden, der Spieler sitzt davor in der Hocke oder auf einem Schemel. 

Pfeil runterFloßrassel

Wird in der zentraltansanischen Region rund um die Städte Morogoro und Dodoma kayamba genannt, am Ruvumafluss im Süden des Landes und den Küstenregionen als maheve bezeichnet. 
Zwei Halmmatten aus getrocknetem Bambus oder anderen Rohrarten werden durch Querhölzer auf kleinem Abstand gehalten und bilden ein kastenartiges Gefäß, das mit Steinchen oder Samenkörnern gefüllt wird. Eine moderne Form der Floßrassel besteht aus zwei Metallplatten statt der Halmmatten. 
Floßrasseln werden in Tänzen eingesetzt, um einen weiteren Rhythmus über den Klang der Trommeln zu legen. Auch in traditionellen Chören der Ethnie der Wagogo in Dodoma (Zentraltansania) dient das Instrument zur Begleitung der Sänger.

Pfeil runterSchellen aus Metall (njuga)

Schellen aus Metall, die handgeschmiedet und oft wie Kidneybohnen geformt werden. Eine kleine Eisenzunge im Inneren der Schellen erzeugt den Ton. Mehrere Schellen mit einer Kordel zusammengebunden und oberhalb der Fußknöchel fixiert und unterstreichen die Bewegungen der Tänzer.

Pfeil runterRassel (Shaker)

Aus einer mit einem Netz überzogenen hohlen Kalebasse; ins Netz eingewebte Kaurischnecken dienen als Klappern. Zusätzlich kann die Kalebasse mit Samenkörnern oder Steinchen gefüllt sein. Shaker sind rhythmische Begleitinstrumente und in ganz Afrika und Lateinamerika verbreitet.

Pfeil runterHolzglocke

Ausgehöhltes massives Holzstück in Form einer Glocke. Das Idiophon wird mit einem Holzstab angeschlagen, erzeugt einen hellen klackenden Ton und wird als Rhythmusinstrument verwendet. 

Pfeil runterKorbrassel

Rassel aus geflochtenen Naturfasern in Form einer Tasche mit Henkel, gefüllt mit Steinchen. Die Korbrassel ist ein Rhythmusinstrument ähnlich den Shakern, der Resonanzkörper ist hier jedoch verarbeitetes Naturmaterial.

Pfeil runterLamellophon (mbira, marimba ya mkono)

Das mbira wird auch als Daumenklavier bezeichnet. Es wird in fast allen Regionen Tansanias eingesetzt und ist sehr populär. Auf dem hohlen Holzkorpus, der als Resonanzkörper dient, sind Eisenzungen befestigt, die mit dem Daumen angerissen werden. Das Instrument wird in beiden Händen gehalten; der Daumen der linken Hand bespielt die linke Hälfte der Eisenzungen, der Daumen der rechen Hand die andere Hälfte. In manchen Gegenden werden auch zusätzlich die Zeigefinger eigesetzt. 
Der Holzkorpus hat mehrere Löcher, aus denen die Töne austreten. In manchen Varianten des Lamellophons ist der Resonanzkörper mit Metallteilen oder Steinchen gefüllt, um einen scheppernden Ton zu erzeugen. 
Die Größe variiert; neben den üblichen kleinen Lamellophonen mit 7-8 Zungen gibt es auch große Instrumente mit 54 Zungen. 
Die Töne werden durch Vor- und Zurückschieben der Lamellen gestimmt und an die in der ethnischen Gruppe verbreitete Tonskala angepasst. Besonders bekannt als Lamellophon-Spieler sind die Wagogo im Süden Tansanias, die in einem kleinen Ensemble mit drei großen marimbas auftreten.

Pfeil runterBambus-Reibholz (beta)

Das Instrument aus Bambus oder Schilfrohr ist teilweise mit Kerben versehen. Das auch als Schraprohr bezeichnete Instrument wird mit einem Holzstab gestrichen, es entsteht ein ratschendes Geräusch. Die meisten Reibhölzer sind etwa 60 cm lang, in der Region Iringa (Nord-Tansania) ist das dort mkwenda genannte Idiophon brusthoch und wird im Stehen gespielt.
Anstelle eines Schilf- oder Bambusrohrs wird oft auch eine leere Fanta-Flasche  (chupa = Flasche) eingesetzt, die wie ein Schraprohr eingekerbt ist und mit einem Dosendeckel gestrichen wird.

Pfeil runterRasselgebinde

Rassel aus zusammengebundenen, getrockneten Früchten, deren Samenkörner sich frei im Inneren der Frucht bewegen. Das Rasselgebinde ist ebenfalls eine rhythmische Begleitung ähnlich wie die Schellen aus Metall, und unterstreicht die schlurfenden Bewegungen oder das Aufstampfen der Tänzer. Es wird um den Unterschenkel zwischen Knie und Fußknöchel gebunden.

Aerophone (Blasinstrumente) 

Aerophone werden unterschieden in Hörner und Trompeten (z. B. Querhorn), Flöten (z. B. Bambusflöte) und Rohrblattinstrumente (z. B. Oboe). Töne entstehen entweder durch Bedecken der Fingerlöcher oder durch die Veränderung der Mundstellung. 
Aerophone, die durch Stimmzüge (wie bei der Posaune) oder Ventilklappen (bei der Trompete) unterschiedliche Töne erzeugen, fehlen in der tansanischen Musik.

 

Pfeil runterOboe (nzimara)

Der Grifflochteil des dreiteiligen konischen Doppelrohrblattinstruments ist aus weichem Holz geschnitzt und hat 5 Grifflöcher, eine Stoffumwicklung stabilisiert ihn im unteren trichterförmigen Teil, der Stürze, obenauf ist ein länglich zylinderförmiges Eisenteil mit kleiner Öffnung im Mundstück, das noch Spuren einer Schweißnaht aufweist und von der gezackten Ansatzscheibe umgeben ist, eingesteckt. Am Mundstück befindet sich ein kleiner Schnurrest. Vom Doppelrohr ist noch ein Bruchstück vorhanden.

Pfeil runterQuerhorn (baragumu)

Aus dem wulstigen Gehörn einer Antilope mit ausgekerbter Mundöffnung. Vorn an der nicht hohlen Spitze ein kleines Loch zum Durchfädeln einer Trageschnur. Das Instrument wird beim Spielen quer gehalten, es kann nur Töne einer harmonischen Reihe erzeugen. Variationen der Töne werden vom Spieler über die Mundöffnung gesteuert. 
Das Querhorn wird vor allem bei traditionellen Tänzen und Festen verwendet, um den Rhythmus zu unterstreichen. 
Hörner dienten wegen ihres weitreichenden Tons nicht nur als Musikinstrumente, sondern auch zur Signalgebung zum Zusammenrufen der Gemeinschaft, bei der Jagd oder zur Warnung. In Nord-Tansania wurde das Querhorn bei der Vogel- und Affenjagd eingesetzt.

Pfeil runterFlöte

Aus Bambusrohr, beidseits offen, mit 5 Fingerlöchern. Flöten werden längs gespielt, der Ton entsteht durch das Anblasen über die scharfe Kante (Kerbflöte). in Afrikanische Blasinstrumente können (ähnlich wie Trommeln) Träger überweltlicher Kräfte sein. Sie werden zum Anrufen von Wesen der unsichtbaren Welt oder auch zur „Übersetzung“ der Botschaften dieser Geister verwendet. 
Flöten spielen deshalb bei Initiationen, Erntezeremonien oder Beerdigungen eine wichtige Rolle. Daneben haben sie aber auch im Alltag Bedeutung.

Pfeil runterDoppelflöte

Aus Bambus mit einsetzbaren Mundstücken. Das Instrument aus zwei verschieden langen Flöten, die mit schwarzer Schnur zusammengebunden sind. Dem Spieler steht dadurch ein größerer Tonumfang zur Verfügung. 

Moderne Musikstile

Afrika weist eine Vielzahl an unterschiedlichen Musikstilen auf; es gibt so gut wie keine gemeinsamen Elemente, die für den gesamten Kontinent gelten. 
Verschiedene Tonsysteme, Melodien und Rhythmen, die mit religiösen Feiern, dörflichen Festen, städtischer Unterhaltung usw. verknüpft sind, und auch die seit Anfang des 20. Jahrhunderts entstandene Musikindustrie – alle Faktoren sind stark lokal geprägt. Beispielsweise beeinflusste jahrhundertelang die arabische Swahili-Kultur die Küstenregionen Ostafrikas. 

Unterschiedliche Musikstile entstanden auch aufgrund naturräumlicher Bedingungen. Große Trommeln setzten immer auch geeignete Bäume zur Verwendung für den Holzkorpus voraus. Die als Trommelmembranen dienenden Rinderhäute waren auf Regionen beschränkt, in denen Viehzucht betrieben wurde.

Exemplarisch werden im Folgenden einige moderne Musikstile vorgestellt, die in Tansania populär sind. 

 

Pfeil runterTaarab

Taarab entwickelte sich in der Swahili-Kultur auf der Insel Sansibar ab ca. 1870. Der Musikstil kombiniert die traditionelle Musik der ostafrikanischen Küste mit den Musizierpraktiken der arabischen Halbinsel. Die Musik dieser beiden Regionen ist durch den mittlerweile über eintausendjährigen Kulturkontakt nur schwer unterscheidbar. Ab ca. 1880 wurde diese Musik durch die arabischen Handelsbeziehungen mit Indien und in der Küstenregion ansässige Inder zusätzlich durch Elemente indischer Musik beeinflusst. Taarab ist vor allem auf den Inseln Sansibar und Pemba weit verbreitet.

Taraab wird von einem Orchester und mehrheitlich den Instrumenten der klassischen ägyptischen Musik (takht) gespielt, begleitet von Sologesang und einem Chor aus Frauenstimmen. 

Die eher poetische Taraab-Musik wird vor allem bei Hochzeiten, aber auch auf öffentlichen Plätzen und in Bars gespielt, die in Vierteltönen gestuften Tonfolgen der arabischen Musik dominieren. 

Mit einem kleineren Ensemble wird der verwandte kitaarab-Stil gespielt (ki = verkleinerndes Präfix). Afrikanische Elemente stehen stärker im Vordergrund, dazu eine Violine und einem Teekistenbass, kleinen Bechertrommeln und Gefäßrasseln.

Taraab-Musik verändert sich permanent durch die Beeinflussung der Musikindustrie aber auch durch immer schnellere Vermischung von Musikstilen im Zuge der Globalisierung. 

Pfeil runterDansi (Muziki wa dansi, Tanzmusik)

Dansi war vor allem zwischen 1930 und 1960 ein populärer Musikstil in Tansania, der koloniale Ballroom-Musik, kongolesischen Rumba, Jazz und traditionelle Trommelrhythmen mit Swahili-Texten verbindet. Gitarre und Blechbläser unterlegen den Sologesang. Die viel in Clubs gespielte Musik war vor allem in der Zeit der Unabhängigkeitsbestrebungen und danach durch ihre sozialkritischen Texte weit verbreitet. Mit dem Aufstieg des modernen Pop, vor allem des bongo flava, nahm die Populartät des Dansi immer mehr ab.

Pfeil runterSingeli (Sengeli)

Elektronischer Musikstil, der sich seit ca. 2020 vor allem aus den ärmeren Stadtvierteln tansaniascher Städte verbreitet hat. Keyboards und Trommeln unterlegen mitreißende extrem schnelle Beats mit zwischen 200 und 300 bpm (beats per minute, Schläge pro Minute) und energiegeladenem Gesang, zu dem oft eine Frauengruppe tanzt. Männliche und weibliche Sänger sind gleichermaßen vertreten, wobei Frauen meist kwaya (moderne afrikanische Pop-/Rap-Musik) produzieren, Männer dagegen mehr schnellen Rap. 
Gesungen wird in Swahili, die Themen reichen von Armut und Arbeitslosigkeit bis hin zu den Kidogoro-Parties an Samstagabenden (kidogoro = Schaumstoffmatratze, auf der die verausgabten Tänzer irgendwann zusammensacken).

Pfeil runterBongo flava

Der derzeit populärste Musikstil in Tansania ist bongo flava, ein Musikstil, der seit den 1990er Jahren in Daressalaam populär wurde. Bongo flava verbindet westliche Klänge wie amerikanischen Hip-Hop, R&B, Dancehall, Afrobeats mit der traditionellen afrikanischen Musik von taarab und dansi
Der Name ist abgeleitet vom Swahili-Wort ubongo (= Gehirn, Synonym für Daressalam) Gesungen wird meist auf Swahili, die Texte handeln oft vom Leben in Tansania, von Lobeshymnen bis hin zu Kritik. Bekannte Künstler sind Platnumz und Ali Kiba.

Pfeil runterMchiriku

Wird oft auch als "Sound der Straße" bezeichnet, ein improvisierter Musikstil mit schnellen Rhythmen, der verschiedene afrikanische und lateinamerikanische Einflüsse kombiniert. Der Stil ist vor allem in den ärmeren Vorstadtvierteln von Dar es Salaam als alternative Jugendmusik sehr populär. Mchiriku-Musiker distanzieren sich damit vom bongo flava, dem US-amerikanisch beeinflussten Hip-Hop der Mittelschicht. Mchiriku-Stars wie Jackie Kazimoto treten aber heute auch auf internationalen Bühnen auf.

Meist wird auf der Straße ein Keyboard an ein Mikrophon angeschlossen, als Perkussionselemente dienen Plastikrohre und Holz, Schlagzeug und Bass und Gesang ergänzen das "Ensemble"; es entstehen spontane Improvisationen mit den anwesenden Zuhörern.

Pfeil runterQuasida

Die Gedichtform stammt aus dem Arabien vorislamischer Zeit, wurde aber wischen dem 10. und 12. Jahrhundert mit Elementen persischer Lyrik kombiniert. Quasida (deutsch: Kasside) entwickelte sich zu einer der großen literarischen Gattungen der persischen Poesie. Quasidas wurden vornehmlich im religiösen Kontexten gesungen.

Diese arabische Form der vertonten Poesie ist vor allem auf Sansibar beliebt. Quasidas werden bei Hochzeiten und vor allem am islamischen Feiertag „Geburtstag des Propheten“ vorgetragen. Die vielstrophigen Verse werden nur von Rahmentrommeln (madufu) und der Längsflöte nai begleitet. 

Junge Musiker passen die traditionelle Musik mit selbst geschriebenen Texten an und verwenden Keyboards, Drum Machines (elektronisches Musikinstrument zur Erzeugung von Tönen der Schlaginstrumente sowie zur Programmierung musikalischer Rhythmen), was unter traditionellen Muslimen für Skepsis sorgt.