In der Sonderausstellung zur Advents- und Weihnachtszeit sind in diesem Jahr Darstellungen von Maria mit dem Kind aus Ostasien zu sehen - China, Japan und Korea. In der Frühzeit des Christentums in diesen Ländern waren Weihnachtskrippen unbekannt; die Verehrung des weihnachtlichen Geschehens konzentrierte sich auf Madonnenfiguren, die große Ähnlichkeiten mit den lokalen Traditionen aufweisen.

Kleine Vitrine

Flügelaltar (China)

Halbreliefschnitzerei aus Holz mit Mittelplatte und aufklappbaren Flügeln. Die Säulen des Hauses, in dem Maria steht, sind mit Bibelversen verziert, die auf die Geburt Jesu Bezug nehmen.

Links: Das Volk, das im Dunkeln geht, sieht ein großes Licht (Jes 9,1)
Rechts: Den Menschen, die im Schatten des Todes leben, ist ein Licht aufgegangen (Matth 4, 16)

Papiermalerei Maria mit Kind im Kiefernwald (Japan)

Die Gottesmutter, in ein Umschlagtuch mit einem Muster aus Chrysanthemen (Symbol für langes Leben) gehüllt, trägt ihr ebenfalls gut vor der Kälte geschütztes Kind durch einen verschneiten Kiefernwald. Auf der linken Seite ein unter dem Schnee blühender Hibiskus, das japanische Symbol für Sanftheit. Malerei auf Maulbeerpapier.

Papiermalerei "Himmlische Maria" mit Kind (Japan)

Maria in traditioneller Tracht mit einem Muster aus geöffneten Fächern (ōgi), die für zukünftige Entwicklungschancen stehen. Auf der linken Seite ganz klein die Häuser eines Dorfes und ein Tempel aus der Vogelperspektive. Zusammen mit dem blauen Hintergrund und dem hell angedeuteten Licht rechts oben entsteht der Eindruck, als stünde Maria im Himmel. Malerei auf Maulbeerpapier.

Zwei Marienfiguren mit Kind (Japan)

Hohlfiguren aus unglasierter bzw. teilglasierter Keramik in japanischer Tracht (kimono) mit hinten zur Schleife gebundenem Gürtel (obi). Eine Marienfigur ist in der traditionellen japanischen Sitzhaltung dargestellt.

 

Große Vitrine – von oben nach unten

Portrait Maria mit Kind (Korea)

Das Motiv der Maria mit dem schlafenden Kind, das an ihrer Schulter liegt, ist auf das Blatt eines Baums aufgemalt.

Stehende Marienfigur mit Kind (Korea)

Porzellanfigur in typischer koreanischer Tracht (hanbok) mit Kind. Maria trägt einen Heiligenschein aus Messing, das Haar ist in traditioneller Weise im Nacken zusammengefasst und wird mit einer großen Haarnadel (binyeo) aus Messing gehalten, die mit einer roten Glasperle verziert ist.

Diese Haarnadeln für Frauen gab es in Korea seit der Zeit der "Drei Königreiche" (1. Jh. v.Chr. – 7. Jh. n.Chr.). Zu besonderen Anlässen wurde das lange Haar entweder geflochten oder zu einem Knoten im Nacken zusammengefasst, in den dann eine Haarnadel gesteckt wurde. Die Figur wurde von den Missionsbenediktinerinnen in Daegu (Südkorea) gefertigt.

Papiermalerei Kniende Maria mit Kind (Korea)

Maria trägt traditionelle koreanische Tracht mit dem kurzen Jäckchen, das mit einer Schleife zusammengebunden wird und dem bauschigen Rock. Sie kniet auf einer Bodenmatte mit Quaste und hält das eingewickelte Kind in den Armen. Das Seidenbild ist in den Farben Weiß und Blau gehalten, Weiß ist in Korea die Farbe der Reinheit, Blau stand im alten Korea für Hoffnung und Unsterblichkeit.

Maria und der Jesusknabe (Korea)

Auf mit Aquarellfarbe koloriertem Papier ist Jesus als junger Knabe dargestellt. Vor ihm kniet die Mutter Gottes, die ihn eben angekleidet hat – eine häusliche, familiäre Szene. Beide sind in traditioneller koreanischer Kleidung dargestellt.

Maria mit Kind, Seidenmalerei, 1955 (Korea)

Die stehende Marienfigur ist von Blüten des Hibiskus (mugunghwa) umrankt, der koreanischen Nationalblume, die Unsterblichkeit symbolisiert. Der Jesusknabe trägt traditionelle Jungenkleider, die auch in der Dauerausstellung des Museums zu sehen sind: Hose, Überrock mit regenbogenfarbigen Ärmeln und Weste, dazu die Kopfhaube.
 

Porzellanfigur der Guānyīn (China)

Ursprung der Guānyīn ist der im indischen Buddhismus verankerte Avalokiteshvara, ein männlicher "Erleuchteter", der auf seine eigene endgültige Erlösung verzichtet, weil er allen leidenden Wesen zu Hilfe kommen will.

Über Korea kam der indische Buddhismus nach China. Ab dem 9./10. Jh. verschmolz die Figur des Avalokiteshvara dort mit lokalen weiblichen Gottheiten und wurde immer häufiger als Frau und Verkörperung des Mitgefühls dargestellt, u.a. auch in Begleitung von zwei Kindern.

Als portugiesische Jesuiten im 16. Jh. nach China kamen, erkannten Künstler die Ähnlichkeit der mitgebrachten Madonnenstatuen mit der Darstellung der Guānyīn und begannen, Figuren nach diesem Vorbild herzustellen. Auf diese Weise fand eine Inkulturation der Maria in chinesische Traditionen statt.

Die Guānyīn wird in Japan Kannon genannt. 1549 brachten Jesuiten das Christentum nach Japan, doch bereits 40 Jahre später wurde die Verbreitung wieder unterdrückt. 1639 folgte dann eine Ausweisung der Missionare und das endgültige Verbot des Christentums für die nächsten 200 Jahre. 

Wer als Christ überleben wollte, musste seine Religionsausübung "tarnen". Besonders im Westen und Nordwesten Japans nutzte man anstelle der europäischen Marienstatuen die Figur der Kannon. Neben den aus China eingeführten Porzellanfiguren gab es auch Holz- oder Keramikfiguren, die verdeckt Kreuzformen zeigen (z.B. am Diadem oder als Halsschmuck). Auf diese Weise konnten die "verborgenen Christen" (kakure kirishitan) weiterhin Maria in der äußeren Gestalt der Kannon verehren.

Die in der Sonderausstellung gezeigte typische chinesische Ausführung der Guānyīn als Vollfigur in weißem Blanc-de-Chine Porzellan zeigt sie auf einer Lotusblüte stehend. Zu ihren Füßen liegt ein Drache (Glückssymbol), und sie hält Lotusstengel in der linken Hand (Symbol der Reinheit). Auf der Stirn das Symbol des "Dritten Auges", ein Zeichen für die Erleuchtung, das ebenso wie das Diadem und die Haartracht auf den indischen Ursprung der Guānyīn, Avalokiteshvara, hinweist. Das klein dargestellte Kind sitzt aufrecht auf ihrem rechten Arm.